Anerkennen was nicht zu ändern ist, Annehmen was jetzt ist, auch wenn es nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Was löst diese Aussage in Dir aus?
Ist es das Eingestehen einer Niederlage, oder möglicherweise ein Ansporn zu neuer Stärke? Zahlreiche Studien und Forschungsbemühungen geben Hinweise darauf, dass die innere Haltung, das Annehmen und Akzeptieren der eigenen Person mit ihren Stärken und Schwächen wesentliche Auswirkungen auf die Krankheitsbewältigung und anschließende Lebensbewältigung haben. Inwieweit kann diese allgemeine Aussage nun auf das Thema Schwerhörigkeit übertragen werden? In dem Teil “Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft” findest Du erste Erklärungsansätze auf diese Frage.

 

„Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann;
gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich zu ändern vermag,und gib
mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.“ Friedrich Oetinger

 

Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft:

In meiner Tätigkeit als Logopädin habe ich mich umfassend mit dem Thema Akzeptanz und Krankheitsbewältigung auseinandergesetzt und finde es immer spannend, meine Erfahrungen aus der Praxis mit den wissenschaftlichen Studien abzugleichen. Hier ein Auszug aus meiner Facharbeit:

Basierend auf einer qualitativen sozialwissenschaftlichen Studie von Silvester Popescu-Willigmann, wird das Anerkennen der eigenen Schwerhörigkeit als zentraler Aspekt hervorgehoben. Betroffene äußern sich hierzu: „Es braucht ein gesundes Selbstbewusstsein, sich als hörgemindert zu „outen“; doch liegt hier die Chance, sein Leben offen zu führen, ohne Stress sich verstecken zu müssen und mit der Gelegenheit, dass Kommunikation mit Hörhilfen gelingt“ (vgl. Silvester Popescu-Willigmann, S. 23). Das Annehmen „der Hörminderung als Teil der Person und das Begreifen, ein auditives Problem zu haben, ebnen den Weg für Lösungen“ (ebd.). Aus dieser konstruktiven, offenen Grundhaltung ist es Betroffenen möglich, die eigenen Fähigkeiten einschätzen zu lernen und auf der anderen Seite zu wissen, in welchen Bereichen sie möglicher- weise Unterstützung brauchen (vgl. ebd. S.23), um schlussendlich die eigenen „Fähigkeiten und Wünsche immer wieder selbstkritisch und selbstbewusst zu reflektieren […] mit Mut für Neues“ (vgl. ebd. S. 24). Dabei soll das angestrebte Ziel im Prozess der Krankheitsbewältigung nicht sein, wie ein Hörgesunder hören zu können. Vielmehr geht es darum, die Hörstörung nicht als „negatives Merkmal seiner Person zu sehen, sondern als Merkmal seiner Kommunikation“ (vgl. Seidler, 2004).

Literatur: Popescu-Willigmann, S. (2014),
Hören, Verstehen Engagieren DBS deutscher Schwerhörigen Verbund Spektrum Hören 5.
Seidler, H., Seidler-Fallböhmer, B. (2004),
Kommunikationsförderung nach Hörgeräteversorgung bei Erwachsenen. Sprache Stimme Gehör, 28(02).

Übungsaufgabe:

Lege Dir ein Hörtagebuch an (wenn Du möchtest auch digital). In dieses Buch wirst Du deine Ideen und Gedanken zu den Hör-Sendungen aufschreiben. Besonders für diesen Teil, für die “Übungsaufgabe” ist das Hörtagebuch gedacht. In diesem Teil findest Du Fragen, die ich Dir zum Thema der Woche stelle.
Du kannst das Hörtagebuch natürlich auch für Notizen oder Fragen verwenden, die Dir an anderer Stelle begegnen.
Greife Dir aus meinen Anregungen nur heraus, was für Dich wichtig erscheint. Halte Dich nicht an Worten oder Formulierungen auf, schreibe und beschreibe was Dir in den Sinn kommt.
Du wirst überrascht sein, wie sinnvoll und nützlich das Aufschreiben und Notieren sein wird. 
Neben all den Fachkräften und Experten die Dich unterstützen, sollst Du durch deine Notizen als Hörexperte gestärkt werden (niemand kennt Dein Hören so gut wie Du=).

Gab es einen Moment in meinem Leben, an dem ich die Hörbeeinträchtigung akzeptiert, als Teil meiner Person angenommen habe?
 Welche Erlebnisse und Situationen verbinde ich damit? 
Was hat dieses “andere Erleben” in mir ausgelöst? Was hat sich dadurch verändert? 
Welche Situationen kann ich inzwischen selbstbewusst und gestärkt meistern? Vielleicht können aber auch folgende Fragen für Dich nützlich sein: Was würde sich in meinem Leben verändern wenn…

• ich meine Hörbeeinträchtigung offen und klar nach Außen tragen könnte?
• ich mich nicht mehr schämen,
• bestimmte Situationen vermeiden müsste?

Wie würde sich das anfühlen?
Was würde sich dadurch verändern?
Wenn mir dieser Gedanke gefällt, was könnte ein nächster Schritt sein?
Was kann ich tun und wo brauche ich dabei Unterstützung?

Mein Impuls der Woche für dich:

Tausche Dich aus und teile Dich mit, umgebe Dich bewusst mit Menschen die stärkend und wertvoll für Dich sind.
Sei nachsichtig mit Dir. Das Annehmen können ist kein Zustand den Du schnell erreichst, es ist ein Weg und jeder Schritt ist wichtig und richtig.
Entwickle einen positiven, liebevollen und humorvollen Umgang mit Deinem Handicap, dein Umfeld wird umso besser damit umgehen können,

WENN DU ES KANNST